Sterben diskutieren (3)

3. Freiheit als Mangelware

Besonders fatal ist der Mangel an einem ernstzunehmenden Freiheitsbegriff.

Freiheit bedeutet hier meist:

  • weniger Leid, wobei Leid in den Rahmen von Biologisierung gesteckt wird – wie sonst – und Unrecht nicht in Sichtweite der Gegenstand schlechthin wird,
  • bessere Haltung aka „artgerechte Freiheit“, diese Leute sprechen Tieren ihre Autonomiefähigkeit ab und pressen alles in starre paternalistische Schablonen,
  • das menschliche Primat beinhaltet derer Meinung nach kein Problem, das alleinig seines ist: Ur-Speziesismus wird wieder und wieder normalisiert, weil er auch immer da ist,
  • moralisch korrektes Töten im „Notfall“, tierlicher Tod und palliative Ansätze denkt man nicht, sondern denkt bei Tieren fest im Sinne von Euthanasie, Tiere als „Leidzustand“
  • keine wirkliche Auseinandersetzung mit Freiheit; Autonomie oder palliative Perspektiven jenseits menschlicher Kontrolllogik sieht man nicht.

Das ist keine Befreiung, sondern Optimierung von Herrschaft.

Dass sich ein solches Denken als radikal, progressiv oder gar revolutionär inszeniert, ist blanke Selbsttäuschung. Es handelt sich nicht um Befreiung, sondern um ethische Verwaltung im Zeichen des Anthropozäns.