4. Die neue Verlogenheit: Rebranding statt Bruch
Tierthemen werden zunehmend instrumentalisiert, um menschliche Konflikte zu befrieden, Identitäten zu stabilisieren oder moralische Selbstreparatur zu leisten. Wo Tiere als Projektionsflächen für menschliche Krisen dienen sollen, werden sie zugleich vorgeschoben – und bei Bedarf auch missbraucht, um andere Menschen symbolisch zu treffen, zu erziehen oder zu disziplinieren.
Tiere sind keine Therapeut:innen, keine moralischen Reparaturinstanzen, keine Ressource für menschliche Läuterung. Dass Menschen sich für Tiere einsetzen können, ist kein Verdienst, sondern ein Privileg. Nicht Tiere schulden uns Dankbarkeit – wir schulden ihnen Dank dafür, dass sie uns ertragen, dass sie sozial mit uns sind, dass sie überhaupt noch in Beziehung treten, trotz der permanenten Gewaltverhältnisse.
Diese Perspektive muss radikal zurechtgerückt werden. Solange Tiere als Mittel zur menschlichen Selbstveredelung erscheinen, bleibt der speziesistische Narrativrahmen intakt – egal, wie korrekt die Sprache oder wie empathisch der Tonfall ist.
Als wäre das nicht genug, brüstet sich die Szene inzwischen damit, dass ehemalige Rechte oder Aussteiger:innen aus extrem rechten Milieus nun Lebenshöfe betreiben oder als geläuterte „Tierbefreier“ auftreten. Das Problem ist nicht, dass Menschen sich verändern können. Das Problem ist, dass hier kein wirklicher Bruch stattfindet.
Autoritäre Denkformen, Führungsfantasien, Erlösungsnarrative und moralische Reinheitsvorstellungen bleiben erhalten – sie werden lediglich neu etikettiert. Was früher nationalistisch war, wird nun moralisch. Was früher exklusiv war, wird nun ethisch aufgeladen. Das ist keine Transformation. Das ist Rebranding.
Völkisch? Zum Thema „Rechts“ und „Rechte“ > bei „Sprechen“ > https://simorgh.de/sprechen/page/3/?s=rechts+rechte , insbesondere https://simorgh.de/sprechen/vertiert-der-wald-ohne-den-falschen-geist/
[as of 11/29/25]
