Inseln
Im Anarchopunk geht es nicht darum, die Strukturen der Macht (wie Parlamente, Massenmedien oder globale Konzerne) von innen heraus zu reformieren oder um deren Aufmerksamkeit zu buhlen. Das Ziel ist die Verweigerung. Wer versucht, vom Mainstream gehört zu werden, muss sich dessen Sprache, dessen Plattformen und dessen Verwertungslogiken anpassen. Sich bewusst einer Nische zu verschreiben bedeutet, sich wenn möglich nicht korrumpieren zu lassen. Das Überhörtwerden ist der Preis für eine Unabhängigkeit der eigenen ethischen Position.
Ökozid und Faunazid werden von einer globalen Maschinerie vorangetrieben, die auf unendlichem Wachstum auf der Basis der Zerstörung der Natur und dem Unrecht gegenüber Tieren basiert. Zu glauben, man könne diese gigantische Front durch „gute Argumente“ im Mainstream-Diskurs stoppen, wird vom Anarchopunk als naiver Illusionismus entlarvt. Das bewusste Agieren am Rand des Diskurses ist ein radikaler Realismus: Man akzeptiert die eigene Ohnmacht gegenüber dem globalen System, weigert sich aber gleichzeitig, an dessen Verbrechen (die tierobjektifizierenden Industrien, Speziesismus) teilzunehmen. Wenn die große Weltbühne ohnehin taub für radikale Veränderungen ist, verschiebt sich der Fokus des Aktivismus. Es geht nicht mehr um die Masse, sondern um Autonome Räume: Das Schaffen von kleinen Inseln der Vernunft. Es geht darum, jetzt richtig zu handeln, unabhängig davon, ob die Weltgeschichte folgt. Die Relevanz bemisst sich nicht an der Einschaltquote, sondern an der gelebten Praxis vom mikropolitischen Raum ausgehend.
Das Überhörtwerden ist kein Designfehler des Anarchopunks, sondern sein definierendes Merkmal. Es ist der Ausdruck einer radikalen Ethik, die sich weigert, mit einer zerstörerischen Gegenwart zu kooperieren – selbst wenn das bedeutet, als leise Stimme am äußersten Rand der Geschichte zu verhallen. Isolation ist in dem Sinne auch die logische Konsequenz einer kompromisslosen Wahrheitsaktivität.
