Kulturelle Normalisierungen von Tierobjektifizierung: Metaphern >
Zur Immunisierung der Metapher
ENTKOPPLUNGEN VON BILDERN UND WIRKLICHKEITEN.
Wenn ein Film Chicken with Plums, wie von der gerade verstorbenen Filmemacherin Marjane Satrapi, genannt wird …
Wenn Metaphern als „nur Bilder“ verstanden werden, entsteht eine Trennung zwischen Ausdruck und Struktur. Die Sprache wird frei gestellt, während die Weltordnung, die sie trägt, unsichtbar bleibt. So wird Bedeutung von Verantwortung getrennt und das Denken in eine ästhetische Schwebe versetzt, in der nichts mehr bindet.
Es gibt eine Form der kulturellen Rede, die sich selbst gegen jede Form von Kritik absichert, indem sie sich in „Metapher“, „Symbol“ oder „Ästhetik“ zurückzieht. Was gesagt wird, erscheint dann nicht mehr als Aussage über die Welt, sondern als Spiel der Bilder, als freie Bewegung der Imagination.
Doch genau in diesem Rückzug liegt eine stille Machttechnik: Was als „nur Bild“ erscheint, bleibt von der Frage nach seiner Struktur unberührt.
So wird gesagt: Es ist nur ein Titel. Nur eine Metapher. Nur ein poetischer Ausdruck.
Aber gerade dieses „nur“ ist entscheidend.
Denn in diesem „nur“ wird die Weltordnung, die in der Sprache bereits vorausgesetzt ist, von jeder Befragung entkoppelt.
Wenn ein Film Chicken with Plums, wie von der gerade verstorbenen Filmemacherin Marjane Satrapi, genannt wird, dann wird dies als ästhetische Freiheit gelesen — nicht als Teil einer Sprachwelt, in der Tiere selbstverständlich als Nahrung, Geschmack oder kulinarische Einheit erscheinen.
Die Metapher wird dadurch immunisiert: Sie darf alles bedeuten, aber sie muss nichts verantworten.
Diese Immunisierung erzeugt eine strukturelle Blindzone. Denn während die Oberfläche der Bedeutung frei schwebt, bleibt die tiefere Grammatik der Welt unangetastet. Die Tatsache, dass bestimmte Lebewesen primär als Essen gedacht werden können, erscheint nicht mehr als kulturelle Entscheidung, sondern als sprachliche Selbstverständlichkeit.
So entsteht eine Entkopplung: zwischen ästhetischer Freiheit und ethischer Struktur, zwischen Bild und Weltverhältnis.
Das Problem liegt nicht darin, dass Metaphern existieren. Das Problem entsteht dort, wo Metaphern so behandelt werden, als hätten sie keine Welt, die sie voraussetzen.
Eine Kritik, die diese Blindzone ernst nimmt, richtet sich daher nicht gegen einzelne Bilder, sondern gegen die Form ihrer Immunisierung. Sie fragt nicht nur: Was bedeutet dieses Bild?
Sondern auch: Welche Ordnung wird als selbstverständlich vorausgesetzt, damit dieses Bild überhaupt harmlos erscheinen kann?
In dieser Perspektive wird sichtbar, dass „nur Metapher“ keine Neutralität ist, sondern eine Position innerhalb einer kulturellen Ordnung — eine Position, die bestimmte Verhältnisse stabil hält, indem sie sie als bloße Sprache erscheinen lässt.
